Die Lohnschere im Kopf

Die Lohnschere wird kleiner, meldet das Bundesamt für Statistik – und srf online setzt sofort einen drauf: „Die Lohnschere schliesst sich langsam“. Erst mal langsam – und erst mal die Zahlen: Die Tieflöhne stiegen in den letzten 6 Jahren um 9,1 %, die mittleren um 6,8 %, die höchsten um 3,6 %.
Wer 44’000 verdient, hat also rund 4’000 mehr in der Tasche, bei 100’000 sind es 6’800 mehr, wer 1 Million verdient, hat „nur“ 36’000 mehr im Sack!

Wie und wo da die Lohnschere sich schliessen soll, kann ich mit meinem armen Tieflohngehirn nicht bewältigen. Hingegen flüstert es mir zu, dass die Lohnschere nur kleiner wurde, weil die Schere im Kopf wieder mal zuschnappte.

Benefizmatinée: „Solidarität mit Flüchtlingen“, Sonntag 6.12. 2015 im ONO Bern

„Solidarität mit Flüchtlingen“, Mundartsongs und Kabarett, zusammen mit Dänu Brüggemann und zugunsten von Caritas, ging im ONO Bern am 6. Dezember 2015 als Sonntagsmatinée vor einem interessierten Publikum über die Bühne.
Nicht nur schön sind die Gedanken im Hinblick auf das Programm angesichts der aktuellen Ereignisse … Es gibt so viel zu sagen, nachzudenken, mitzufühlen – und zu erhoffen im Hinblick auf menschlichere Zeiten und Umstände, hier und dort. Details siehe auch Benefiz.6.12.15.
Interessant war das Interview auf der Bühne mit Lolita Tschanz, Leiterin des Flüchtlingsdienstes bei Caritas Bern. Sie erklärte die Aufgabenteilung zwischen Caritas Schweiz (humanitäre Hilfe) und den Regionalgruppen, die anerkannte Flüchtlinge begleiten und unterstützen. Insbesondere auch unbegleitet geflüchtete Jugendliche, z.B. bei der Wohnsituation. Hinweis: Es darf auch weiterhin gespendet werden. (Aktualisiert nach dem 6.12.15)

3. Platz am Philo Slam Contest 2015: „tierisch gut“. / „Solidarität mit Flüchtlingen“

12. November im vollbesetzten Bieler „Le Singe“: Philo Slam (-Wettbewerb) von tv srf und Bieler Philosophietage (Thema: „Das Tier und wir“).

Ich freue mich über meinen dritten Platz. Alles Weitere, inklusive alle acht 5-minütigen Slams via diesen link:
http://www.srf.ch/kultur/buehne/philo-slam/lene-morgenstern-und-dominik-erhard-gewinnen-den-philo-slam-2015.

Der Text, leicht redigiert gegenüber der Bühnenfassung:
Philo Slam_15_Umschrift_def
(Anm.: „Das Tier und wir. … Wieviel Respekt verdienen Tiere ?“ ist ein Zitat aus der Ausschreibung der Philo-Tage, siehe www.philosophietage.ch).

 

Eindrücklich war die Benefiz-Matinée vom 6.12. in Bern, gemeinsam mit Dänu Brüggemann: Solidarität mit Flüchtlingen

„Einwanderung ohne kein Wort richtig Deutsch“

„Es ist verrückt das so viele in die deutsche Föhrderung müssen wesswegen es der Steuerzahler zahlen muss das sie Deutschlernen und nicht selber! Es sollen nur noch Ausländer in die Schweiz komen und Deutsch reden. Man muss zuerst eine Prüfung machen an der Grenze und wer es nicht kann muss gehen und zwar sofort nicht noch Asylantenstatus machen und Geld bekommen als das sie noch länger bleiben. Wann merkt es die Politik entlich das es genug ist mit Einwanderung ohne kein Wort richtig Deutsch?“
srf online, 3.11.2014, User-Kommentar zu Deutsch-Stützkursen in Basel vor der Einschulung. Ich lasse den (sehr schweizerischen) Namen und Vornamen der kommentierenden Person aus dem „Kt. Zürich“ weg – und die Frage, ob es sich um einen satirischen Beitrag handelt, was eher nicht der Fall ist. Dafür folgende Frage: Und wenn der Schweizer Beamte am Grenzposten in Chiasso zu wenig gut Deutsch spricht ?

Verse bis 11.9.

In dieser Rubrik werden Ergebnisse meiner Passion für den geschüttelten Vers laufend veröffentlicht. Wenns dann mal zuviel wird, müssen sie vielleicht in ein anderes Gefäss umgeschütte(l)t werden.

11.9.15:
Von Ungarn bis nach Längenschachen – wer mag noch über Schengen lachen  ?

12./13.8.15, Fussball: Die von Spielerkauf- und Sportchef Fredy Bickel eigenhändig zum Titelkandidat ernannten Berner Young Boys sind mit 1 Sieg bei je 3 Unentschieden und Niederlagen in die Saison gestartet. Letztes Lowlight: Heimpleite gegen Aufsteiger Lugano. Weiss-Schwarz gewinnt, Gelb-Schwarz sieht nur noch schwarz.
Was für Geister ihn am Wickel bissen, das kann selber nur der Bickel wissen. Statt Riesen-Cracks beim Bahnhof Wankdorf nur Krisen-Racks im Wahnhof Bankdorf. Schtatt z tröime vo dr Meischter-Fiir mache d Läde dicht u d Feischter mir !

27.7.15: Alarm-Meldungen von der Shanghai-Börse. Finanz-Experten und Wirtschafts(Wachstums)Gurus kommen angesichts der weltweiten Entwicklungen in Erklärungsnot, der Boom- und Hoffnungs-Markt China trudelt, die Investoren versuchen noch rasch, ihre Gewinne vor dem Absturz ins Trockene zu bringen. Am meisten bluten wieder mal die kleinen Börsen-Neueinsteiger, welche von der Regierung in Peking zum Aktienkauf ermuntert worden waren … 
Börsen-Crashs und Waren-Resten: Die weissen sind die raren Westen

18.7.15 Stuckichrigu gewann den Bergchranzschwinget auf dem Weissenstein mit sechs Siegen (Gieu: Bernisch träf  für „Sohn“)
Bei der Hitze auf dem Weissenstein: Wer trinkt da nach dem Steissen Wein ? Wenn verliert dr Gieu vo Schtuckis mal ? Nur wenn man ihm die Muckis stahl
26.7.15: Es geht weiter mit Schwung am Berg. Auf dem Brünig verlor Ex-Schwinger-König Wenger Kilu nach 5 Siegen erstmals gegen Von Ah Benji:
D Volks-Seel tuet am Brünig choche, itz isch d Serie vom Chünig bbroche!
Nachtrag 12.8.: Wenger war seit dem Frühling an der Schulter verletzt. Aha, ihm tun die Achseln weh. Die kann man nicht bloss wechseln – aah !

17.7.15: Griechenland-Debatte im Deutschen Bundestag
Wenn einer dann noch Schäuble heisst und anderen auf’s Häuble scheisst

1.- xx.7.15
Guet wär i där Summer-Hitz e nasse, chüele Hummer-Sitz

16.7.15 Das Parlament schluckt die Vorgaben der EU …
(Bestätigung für Puristen: Richtig, ist kein echter Schüttelvers. Nur die Betroffenen werden durchgeschüttelt, vrgl.
Griechenland“, 9.7.)
Zu Kreuze nun die Griechen kriechen: Gesundet Ihr beim Kriechen, Griechen ?

Wieder mal ein Besuch draussen und drinnen, 2.7.15
Kein Anblick eines Hundes Bau’s: Stattlich ist das Bundeshaus
Wo Tricks und trüber Handel wallen, trifft man sich in Wandelhallen

Ohne (Fussball-) Titel

Die von Spielerkauf- und Sportchef Fredy Bickel eigenhändig zum Titelkandidat ernannten Berner Young Boys sind mit 1 Sieg, 3 Unentschieden und 3 Niederlagen in die Saison gestartet. Letztes Lowlight: Heimpleite gegen Aufsteiger Lugano am 12.8.2015. Weiss-Schwarz gewinnt, Gelb-Schwarz sieht nur noch schwarz. Da kann es einem nur noch schütteln.
Was für Geister ihn am Wickel bissen, kann nur der Fredy Bickel wissen.
Statt Riesen-Cracks beim Bahnhof Wankdorf nur Krisen-Racks im Wahnhof Bankdorf. Schtatt z tröime vo dr Meischter-Fiir mache d Läde dicht u d Feischter mir !

10 Jahre Neue recht Schrei bung

„Ach, haben die russischen Märchenerzähler wieder zugeschlagen und bieten ihren Schweizer Verehrern eine Möglichkeit sich großspurig aus dem Fenster raus zu hängen? Dumm nur dass das in einer gewaltigen Bauchlandung für diese endet, (…)“.
Zitat aus einem Leserbrief auf srf online, 15.11.14, mit der Anmerkung, dass eine Bauchlandung eventuell noch zu überleben wäre, im Gegensatz zum sich Hängen, am Galgen oder zum Fenster raus, erst recht, wenn es großspurig gehandhabt wird, dafür ohne Satzzeichen.
Eigentlich müsste ich als Wort-Komiker Freude an dem Mist haben, der da infolge der Grossen Deutschen Recht Schreibe Reform zusammengeschrieben wird, gerade weil so viel nicht mehr zusammen geschrieben wird. Meine Sammlung von schrägreformierten Wendungen der Neuen getrennt Schreibung (oder heisst es neuen Getrenntschreibung ?) enthält makabre wie vergnügliche Exemplare. Hier ein paar davon, weitere gerne auf Anfrage.
„Hillary Clinton und Barack Obama liegen praktisch gleich auf.“ Es war kein republikanischer Hetzer, der mit diesem Satz unverdauliche Demokraten in die Pfanne hauen und gleichzeitig für ungeniessbar erklären wollte. Nein, solches schrieb srf online am 5.2.2008 zu den Vorwahlen der Demokratischen Partei, vermutlich ohne bewusste kannibalische Hintergedanken. Ebenfalls ohne schrägen Blick auf die Polizei textete „Blick online“: „Die bisher grösste Menge Heroin, total 53 Kilo, hatte die Zürcher Polizei 1996 sicher gestellt.“ Es wäre ja üble Nachrede, wenn nicht Beamtenbeleidigung, der Polizei zu unterstellen, es sei vermutlich sicher, dass sie das Heroin gleich selber gestellt habe, um einen Fahndungserfolg sicherzustellen. Aehnlich das Missverständnis im werbemail einer online-Spielbank: „Das Leitmotiv dieses Casinos ist es sie zufrieden zu stellen“. Und der Polizei zu übergeben, weil diese zu wenig Heroinfunde ausweisen kann ? Mit „sie“ ist übrigens „Sie“ gemeint, also der erhoffte Casino-Kunde. Aber die Frage der gross Klein Schrei bung ist im mail- und socialmedia-zeitalter auch nicht mehr so wichtig wie die Kommasetzung die auch gemäss Duden grosszügiger gehandhabt werden darf aber das ist wieder ein anderes Thema nicht wahr.
„Wir haben einer grossen Mannschaft gegenüber gestanden“, zitiert srf online am 28.6.15 Kolumbiens Fussball-Torhüter Ospina. Was haben die Kolumbianer den Argentiniern gestanden ? Dass sie absichtlich verloren hätten ?
„Die maroden Wasserleitungen unseres Clubhauses werden still gelegt.“ Welches Sportvereinsorgan solches vermeldete, werde ich nicht preis geben (oder heisst es Preis geben, verdammt nochmal, oder noch mal ?!). Schliesslich sind da fachkundige und ehrenamtliche Krampfer am Werk. Und sie ehren amtliche Kontrollen, weil sie ja nur sprachlich still und heimlich kaputte Leitungen gelegt haben (nicht „sprachlich, still und heimlich“, denn dann hätten sie wirklich).
„Um 8.15 Uhr Ortszeit wirft der US-Bomber «Enola Gay» die erste Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima ab. Die Stadt wird dem Erdboden gleich gemacht.“ Makabre Aktualität des Gegenteils.
Da wirkt das folgende Zitat aus einer ansonsten PPPP (perfekten Power-Point-Präsentation) schon fast tröstlich: „zu Nichte machen“. Da mag sogar der Neffe lachen.
Und noch aus der website eines Seerestaurants, das eine Angestellte sucht: „Stellenantritt: nach über Einkunft“. Dieses letzte Beispiel aus dem weiten Feld des verzweifelt vorauseilenden Getrenntschreibe-Gehorsams soll zeigen, warum ich nur „eigentlich“ Freude habe an dem Ganzen. Die Rechtschreibereform trat ja an, um den „normalen“ Schreibenden die Rechtschreibung und damit die Kommunikation einfacher zu machen – und hat das Gegenteil erreicht. Und das ist auch das Gegenteil von lustig.

 

An ihren Zitaten sollt Ihr sie erkennen

Schon lange beschäftigt mich die Selbstgerecht- und -herrlichkeit der vereinigten Wirtschafts-Experten. Offensichtlich auch andere, wie ich erleichtert feststelle. Was andere treffend sagen, muss ich nicht selber nochmals erfinden.
“ 
Was den Dilettantismus anbetrifft: Diesen sehe ich eher bei den sogenannten Wirtschaftsexperten. Das sind doch auch Dilettanten, weil sie glauben, die Krise sei rein ökonomischer oder finanztechnischer Natur, und deswegen dilettieren sie in der Sozialpolitik, in der Kulturpolitik, in der internationalen Politik, in der Psychologie – denn alle diese Faktoren spielen bei der Krise eine Rolle.“
Paul Konrad Liessmann, Philosoph, Uni Wien